#Dustin: Retrospektive

2010„Der 15 Jährige Dustin Hanke aus Goslar möchte der Kleinstadt den Rücken zudrehen und die Modewelt mit seinem Charme und dem richtigen Gespür erobern“, hieß es 2011 in der örtlichen Zeitung meiner Heimatstadt. Seit dem ist viel passiert. Wenn ich durch das Archiv meines Blogs klicke, schwirren nicht nur Erinnerungen in meinem Kopf, denn das einzige woran ich denke, ist die Dankbarkeit an meine Leser, die mir das Leben geschenkt haben, dass ich immer führen wollte.

Als ich meinen ersten Post auf Shiggers on Street veröffentlichte war ich 14, 175 groß und einige Kilos schwerer als heute. Einige Monate vorher befand sich nicht nur der halbe Farbkreis nach Itten auf meinem Kopf und meinem Kleiderschrank, sondern mein Selbstbewusstsein war so gut wie nicht vorhanden. Ich war auffällig gekleidet, die halbe Stadt kannte meinen Namen und mindestens genauso viele haben mir doofe Kommentare hinterher gerufen. An meine Zeit auf dem Gymnasium und der Realschule erinnere ich mich nicht gerne. Allgemein war meine Schulzeit voller Vorurteile, Lästereien und Mobbing. Ich weinten nach der Schule, traute mich manchmal nicht an den „Großen“ vorbei, der halbe Schulhof guckte uns quer von der Seite an und somit stürzte ich mich in die Tiefen des World Wide Webs. Ich kaufte mir eine Spiegelreflex Kamera, zeigte mich von meiner besten Seite, bearbeitete mit meinen damals nicht vorhandenen Bearbeitungs-Skills meine Fotos und lud sie promt bei Schuelervz.net und anderen Portalen hoch. Was ich heute nach Jugendspaß anhörte, veränderte mein Leben.

20092009. Ich nahm ab, schnitt mir die Haare kurz, war mal Blond, mal Brünette. Ich kaufte mir Modezeitschriften, fand immer mehr Interesse an der Fotografie und die Freundesanzahl bei all möglichen Netzwerken stiegen. Den ersten Blog den ich entdeckte, war tatsächlich Mauris. Damals ermutigte und bestärkte er mich den Schritt zu gehen, mein Leben und meine Inspirationen mit der Welt zu teilen. Somit wurde, kurz vor meinem 15ten Geburtstag, Shiggers on Street ins Leben gerufen. Das Interesse meiner Person und meinen Outfits wurde mir Ende des Jahres bewusst, als Lookbook meinen ersten Look als „Best Male Outfit“ auf der Startseite gefeatured hat. Promt wurden aus weniger als 100 Klicks am Tag, 1000.

2010
2010. Am Anfang des Jahres besuchte ich das erste Mal die Fashion Week. Ein echter Traum ging in Erfüllung und mit großer Überzeugungskraft beurlaubten mich meine Eltern von der Schule. Wie sich das für einen jungen Herren gehört, wurden die Looks natürlich Wochenlang vorher durchgeplant. Berlin -Eine Stadt, die mich von dem ersten Augenblick an gepackt hat. Niemand schaute mich blöd an, die Fotografen vor dem Zelt schossen Streetstyles und ich fühlte mich seit langem.. akzeptiert. Meine Eltern warteten vor dem Bebelplatz im Auto und nach jeder Show kam ich mit Tränen in den Augen zu ihnen und gab ihnen einen Kuss. „Ihr seid die besten Eltern der Welt, Danke!“ sagte ich mindestens 30 mal an diesem Tag. Nach dieser Saison wusste ich es noch mehr: Du willst das die Leute deinen Namen kennen. Und zwar in dieser Branche. In diesem Jahr verdiente ich übrigens das erste Mal Geld mit meinem Blog. 50€ für ein Videopost. Man, ich war Stolz wie Oskar.

Mein Look war in dieser Zeit nicht so gefestigt, wie er heute ist. Aufstand erregte ich nicht nur mit Löchern in meinen Oberteilen, die damals anscheinend ein Tabu waren, sondern mit Leggins, Dr.Martens und Lederjacke. Was heute keinen mehr interessiert, löste damals richtige Diskussionen in meinem Kommentar Feed aus. Ich werde oft gefragt, wie ich mit schlechter Kritik und Beleidigungen umgehe, denn gerade wenn man sein Leben so öffentlich Preis gibt, wie ich es tue, kann man nicht nur positive Kommentare erwarten. Am Anfang hat es mich sehr gestört. Kommentare wie „du bist so dick“, „oh mein gott, du bist viel zu dünn“ oder „du schwuchtel“ gingen mir ans Herz. Ich war ein Teenager, der durch und durch dabei war, sich selbst zu finden. Heute lache ich über diese absurden Anonymen Kommentare und bin dankbar dafür, denn sie haben mich in keinster Weise vom Weg abgebracht, sondern mein Selbstbewusstsein in die Höhe steigen lassen und meine Träume bestärkt.

2011
2011. Mein Abschlussjahr und die größte Entscheidung meines bisherigen Lebens standen mir bevor. Um meinen Blog interessanter und meinem Traum ein paar Schritte näher zu kommen, zog ich nach meinem Abschluss, mit 17 Jahren, nach Berlin. Mit im Schlepptau: Bloggerkollegen, beste Freunde und meine besseren Hälften (Falls es diesen Ausdruck überhaupt gibt): Josie und Jan. Meine Familie steht bei mir an erster Stelle und ist das wichtigste für mich in meinem Leben, was meine Anfangszeit in Berlin sehr schwer machte. Ich vermisste und vermisse, doch nach und nach kann ich behaupten, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war. Man wird sehr schnell erwachsen und mein naives Denken über die Branche, des Alltags und des gesamten Lebens waren wie weggefegt.

Mein Ziel in Berlin war es Leute kennenzulernen, die mir auf meinem Weg weiterhelfen können. Ich suchte nicht spezifisch, doch sich bei Events zu zeigen und mit den Pr-Agenturen in Kontakt zu treten, erleichterte mir Monat für Monat die Angst, die Miete nicht zahlen zu können. Ich wuchs in sehr guten Verhältnissen auf und zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich sehr verwöhnt erzogen wurde. Mit dem Schritt das Zuhause der Eltern zu verlassen, wollte ich Unabhängigkeit. Ich wollte kein Geld meiner Eltern. Das Erfolgsgeheimnis überhaupt Aufträge zu bekommen, liegt meiner Meinung nach darin, wieso man seinen Blog gründet. In meinem jungen Alter gab es in Deutschland eine Hand voll Blogs und niemand zeigte sein Leben um Geld damit zu verdienen.

2012
2012. War ein wirklich Erlebnisreiches und wunderschönes Jahr. Mein bester Freund aus der Heimat zog zu uns und ich fand endlich den Anschluss in meiner Wahlheimat, den ich mir immer erhoffte. Mein Freundeskreis, den ich hier besitze, ist unbezahlbar und ich bin froh zwischen der Reizüberflutung an Menschen, echte Freunde gefunden zu haben. Ach und bevor ich es vergesse: Highlight des Jahres: Die Gründung von Homme to go. Ein Netzwerk, dass ich liebe, wie eine Mama ihr Kind.

In diesem Jahr festigte sich meinen Stil. An meine kurzen Haare ließ ich niemanden mehr ran und die Lohden wurden immer länger und länger. Ich hatte endlich vor Augen wie ich aussehen möchte. Mein Geld sparte ich mir für Designerteile zusammen, die Looks wurden cleaner und ich dachte nicht mehr so viel darüber nach. Eine schwarze Jeans, ein weißes T-Shirt und meine geliebten Lederjacken tauschte ich gegen auffällige Prints und Modefauxpas.

2013
2013. Was kann ich zu diesem Jahr sagen? Es geht viel zu schnell um. In diesem Jahr habe ich so viel gearbeitet wie noch nie zuvor. Neben meiner Schule, hatte ich einen Nebenjob, kümmere ich mich um zwei Blogs, etliche Netzwerke und neuster Streich in meinem Leben: Unsere eigene Partyreihe. Hierzu werde ich, bzw. wir Jungs euch in nächster Zeit noch einiges zu erzählen. Ich habe noch nie auf meinem Blog oder auf dieser Website, so offen über mein Leben geschrieben, doch diese Retrospektive hat mich dazu ermutigt, euch endlich mal zu danken. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich über jede einzelne Mail von euch freue, wie stolz ich auf euch bin und wie oft ich Tränen in den Augen habe, wenn ich euch mit meiner Einstellung und meinem Lebensstil ermutigen kann. Glaubt an euch und eure Träume und ich versichere euch, ihr werdet es schaffen. Danke.

17 Comments

  1. Lisa

    ach, wie schön zu lesen! *-* Ich wünsch dir alles alles gute für die zukunft :*

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  2. kai

    oh gott so toll geschrieben! :) ich hatte tränen in den augen

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  3. Alexandra Mischin

    Und die Träne tropft von meiner Nasenspitze,…
    WOW – herrlich – phänomenal! Du bist es. Du bist ein Vorbild. Ich kann dir nicht oft genug anmerken, dass dein Mut und deine Persönlichkeit mich immer wieder vom Stuhl haut.
    Bitte bleib so wie du bist (das heißt natürlich nicht, dass du dich nicht weiterentwickeln sollst ;-)).
    Ich erinnere mich ab und zu an dich und hoffe dir in meinem Leben noch öfter zu begegnen! Klein Goslar ist nun nur noch die Heimatstadt und die Welt dein Zuhause.

    Viele Küsse, Alex

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    • Miss Fu

      Schön geschrieben Alex! :-)

      Hoffe euch beide noch oft zu sehen…….

      LG Miss Fu

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  4. Marvin

    verdammt, das tat so gut zu lesen! so hammer wie du dein leben aufgebaut hast und du bist grad mal 18 :O ich beneide dich für deinen mut in der großen welt und wünsche die viel spaß im weiteren leben :) glück brauchste ja nicht bei deinem selstbewusstsein! wie gern ich so leben würde wie du 😛

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  5. Jack

    wirklich eine sehr sehr schöne Geshichte! Sehr inspirierend und ich bin so stolz auf dich!

    😀

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  6. mij

    Hey Dustin,
    ich verfolge nun seit mehreren Jahren deinen Blog (Shiggers on Streets) bzw. deinen Werdegang. Und ich muss sagen, dass du es mehr als verdient hast, in der (Mode-)Bloggerszene so erfolgreich zu sein. Du bist für viele junge Leute eine Inspiration!
    Ich hoffe, man wird auch in Zukunft einiges von dir hören.

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  7. Jan

    Super geschrieben!!! Auch ich werde gerade in der Schule oft wegen meines Kleidungsstils kritisiert, aber ich mache es genau so wie du anscheinend- ich steh drüber…
    War wirklich schön auch mal so etwas persönliches von dir zu lesen, mach weiter so

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  8. Mary

    Dustin, meine Muse

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  9. Lydia

    Awww, Baby! Ich hab fast ein paar Tränchen in den Augen. Ich verfolge dich bzw. deinen Blog jetzt schon von Anfang an und muss sagen, ich finde dich schon immer so sympathisch und zuckersüß! Ich hoffe du wirst weiterhin ein so tolles Leben führen können. Aber bitte bleib auf dem Boden, denn das Business ist Schein und Trug und mit all den Leuten in Berlin kann man schnell mal abheben. Aber wenn du das nicht packst, dann weiß ich auch nicht :)

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  10. nadine

    du bist toll, anderen menschen mut zu machen nur durch den eigenen Lebensstil ist etwas ganz ganz besonderes.
    Dustin, du lieber, ich wünsche dir für deinen weiteren Weg ganz viel Glück und Erfolg!
    Mit jungen 18 Jahren, ich ziehe meinen Hut!

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  11. Anna

    Schöner Text, Dustin!
    Wunderbar formuliert..

    http://www.a-to-the-a.blogspot.de/

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  12. Anna Amor

    Wunderschöner Post, wunderschöne Geschichte! Viel Erfolg weiterhin, und alles alles erdenklich Gute!

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  13. michelle

    RESPEKT RESPEKT und noch mehr RESPEKT!
    ich verfolge deinen Blog auch schon seit einer gefühlten Ewigkeit.
    Dein Mut und Stilgefühl ist wirklich unvergleichbar unter den mittlerweile millionen von Modeblogs in Deutschland. weiter so!
    Danke fürs vormachen, dass es sich lohnt an Träumen festzuhalten !!!

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  14. Asle

    Ich weiß nicht ob du mich noch kennst und auch gar nicht was ich schreiben soll, wenn ich an die Zeit auf der Realschule denke und mir jetzt deine Texte durchlese.. du faszinierst mich total! Du hast einfach dein Ding gemacht und es durchgezogen. Du hast Recht, man schafft wirklich alles, wenn man an sich und an seine Träume glaubt. Ich habe immer an mir gezweifelt aber jetzt ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich werde anfangen Modedesign zu studieren. Dein Text inspiriert mich total! Liebe Grüße, Asle

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  15. Flora

    Inspiration ohne Ende!

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  16. Leo

    Einfach nur wow.

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